Die Hochgeschwindigkeitsstrecke Budapest–Belgrad ist ein zentrales Infrastrukturprojekt im Rahmen des Verkehrskorridors zwischen Mittel- und Südosteuropa. Das Vorhaben begann im Jahr 2014 als Teil der chinesischen Initiative „One Belt, One Road“ und entwickelte sich zu einem strategischen Verbindungsglied für den Güter- und Personenverkehr zwischen der EU und dem Balkan.
SRBIJA NEWS – Die neue Trasse mit einer Gesamtlänge von rund 350 Kilometern verbindet die Hauptstädte Ungarns und Serbiens. Davon verlaufen 183 km durch Serbien und 152 km durch Ungarn. Nach Abschluss sämtlicher Modernisierungsmaßnahmen wird sich die Fahrzeit von derzeit 8 Stunden auf nur 2 Stunden und 40 Minuten reduzieren – ein gewaltiger Fortschritt für Logistik und Tourismus in der Region.
Der serbische Streckenabschnitt
Im März 2022 wurde der erste Hochgeschwindigkeitsabschnitt zwischen Belgrad und Novi Sad (80 km) in Betrieb genommen. Auf dieser Strecke verkehrt der moderne Zug „Soko“, der die Entfernung in weniger als 40 Minuten zurücklegt und ein neues Niveau an Fahrkomfort bietet. Im April 2024 wurde die Modernisierung des Abschnitts Novi Sad–Subotica abgeschlossen, und am 5. Juli 2024 wurde der modernisierte Bahnhof Novi Sad feierlich eröffnet – ein bedeutender Knotenpunkt nahe der ungarischen Grenze.
Ungarischer Abschnitt und chinesische Beteiligung
Die Arbeiten in Ungarn begannen im Oktober 2021. Das Projekt wird gemeinsam mit den chinesischen Unternehmen China Railway International und CCCC sowie der ungarischen Staatsbahn MÁV realisiert. Die Finanzierung erfolgt zu 85 % durch ein Darlehen der Export-Import Bank of China in Höhe von rund 1,6 Milliarden Euro.
Auf der Strecke sollen insgesamt 20 moderne Hochgeschwindigkeitszüge der chinesischen CRRC Corporationeingesetzt werden. Diese Züge erfüllen die europäischen TSI-Normen, erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 200 km/h und sollen ab Ende 2025 im Einsatz sein.
Politik, Kontroversen und Untersuchungen
Das Projekt wird aktiv von der politischen Führung Serbiens und Ungarns unterstützt. Der ungarische Premierminister Viktor Orbán und der serbische Präsident Aleksandar Vučić betonten wiederholt dessen geopolitische und wirtschaftliche Bedeutung. Die Europäische Kommission hingegen äußerte Kritik an den Vergabeverfahren und leitete eine Untersuchung wegen fehlender Transparenz bei der Auftragsvergabe an chinesische Unternehmen ein.
Besonders tragisch war ein Vorfall im Jahr 2023: Beim Einsturz des Dachs des modernisierten Bahnhofs in Novi Sad kamen 16 Menschen ums Leben. Das Ereignis löste heftige Diskussionen über die Qualität chinesischer Bauleistungen bei strategisch wichtigen europäischen Infrastrukturprojekten aus, insbesondere in sozialen Netzwerken und Medien.
Aktueller Stand – Sommer 2025
Der serbische Abschnitt der Strecke ist inzwischen vollständig fertiggestellt und in Betrieb. Auch der Abschnitt Novi Sad–Subotica wurde bereits eröffnet. In Ungarn befinden sich die Bauarbeiten in der finalen Phase. Die ersten vollständigen Verbindungen zwischen Budapest und Belgrad sollen bis Ende 2025 aufgenommen werden.
Die bilateralen Verhandlungen über die Grenzkontrollen laufen noch. Ziel ist die Einführung eines „grünen Korridors“, um lange Aufenthalte an der Grenze für Passagiere zu vermeiden.
Zukunft des Projekts: Panaeuropäischer Eisenbahnkorridor
Die Hochgeschwindigkeitsstrecke Budapest–Belgrad ist nur ein Teil eines wesentlich größeren Korridors, der über Belgrad, Niš, Skopje und Thessaloniki bis nach Athen führen soll. Dieses Transportnetzwerk soll Handel, Tourismus und die Integration Südosteuropas in die EU erheblich stärken.
Die Bauarbeiten am Abschnitt Belgrad–Niš sind bereits im Gange, mit einer geplanten Fertigstellung zwischen 2026 und 2027.
Quellen und Korrekturen
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